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| Einmal Kraftdreikampf und zurück – Ein Rückblick auf den Ausflug in den Wettkampfsport |
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Einmal Kraftdreikampf und zurück – Ein Rückblick auf den Ausflug in den Wettkampfsport
Der folgende Bericht stellt rein subjektive Erfahrungen dar. Er soll einen kleinen und zum Teil auch kritischen Blick zurück auf mein Jahr im Kraftdreikampf zeigen, in dem ich innerhalb von vier Monaten vier Wettkämpfe (2 Landesmeisterschaften, 1 Norddeutsche Meisterschaft, 1 Deutsche Meisterschaft) mal mehr, mal weniger erfolgreich bestritt. Im Verhältnis zur Elite dieses Sports bin ich sicherlich nur ein dünner Bastard, der nicht einmal vernünftig Bankdrücken kann (dazu später mehr) und manch ein erfahrener Wettkämpfer wird über meine Leistungen in den ersten Wettkämpfen nur lachen können. Dennoch habe ich mich für den folgenden Artikel entschlossen. Dies soll keine Selbstbeweihräucherung oder verbitterte Kritik sein. Es sind lediglich Erfahrungen eines dünnen Bastards, die einen Einblick in das geben sollen, wovon in diversen Foren viele immer wieder nur reden. Dass sie es bald machen würden: den ersten Wettkampf.
Wie alles begann.. Doch bevor ich zu den Erlebnissen komme, bedarf es eines kleinen Seelenstripties. Naja, wohl nicht ganz so sehr, aber der Weg zum KDK lief nicht ohne den ein oder anderen Umweg.
Ich hatte schon immer die Veranlagung zuerst in die Breite zu gehen, bevor es zum Wachstumsschub kam. Den Höhepunkt allerdings nahm das ganze dann wohl mit elf Jahren, als das Körperwicht zwar noch im Rahmen lag, die Optik allerdings stark aus dem Rahmen fiel. - Kleine Kinder sind grausam und die Beschimpfungen und Hänseleien waren fast an der Tagesordnung, so dass ich mir nur all zu schmerzhaft meines schwergewichtigen Problems bewusst wurde. – Meine Mutter versuchte schon lange meine Ernährung zu überwachen, doch neben einem großen Hunger zur damaligen Zeit kam hinzu, dass ich mir Süßes einfach selber kaufte, wenn meine Mutter es nicht tat.
Zwei bis drei Jahre später begann endlich der ersehnte Wachstumsschub: Innerhalb eines Jahres wuchs ich 13 cm und zusammen mit dem Bewusstsein, dass ich an Körperfülle abnehmen sollte, schwanden die Kilos ein wenig dahin. Ich begann simpel zu Hause zu trainieren. Ich machte Liegestütze, SitUps, setzte mich jeden Abend für ein paar Minuten aufs Cardio-Fahrrad und versuchte mich mit meinem damaligen Verständnis gesünder zu ernähren.
Mit fünfzehn fand ich dann leider erst spät den Weg zum Ringen. Meine überschüssige Energie musste irgendwo raus. Ich hatte bereits zu Hause begonnen meinen kleinen Bruder oftmals halb zu verprügeln, einfach nur des Raufens wegen, so dass meine Mutter mich dazu ermutigte einem Verein beizutreten. – Zwei mal die Woche ging ich (fast immer regelmäßig) zum Training und begann einmal die Woche vor der Schule joggen zu gehen. Zudem sammelte ich in unserem Kraftraum, der eher an eine Folterkammer aus vergangenen Tagen erinnerte, die ersten Eindrücke des Eisentrainings, was aber aus heutiger Sicht mehr ein Spielen, als ein ernsthaftes Training war.
Vier Jahre später endete die sportliche Karriere, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Ich sollte für einen Drittligisten in der 63kg Gewichtsklasse Wettkampferfahrung sammeln, holte mir aber im rechten Knie vermutlich etwas mit dem Meniskus. Vermutlich, weil das zumindest die Diagnose war, die zwei von fünf Ärzten stellten, während die anderen drei Diagnosen kein zweites Mal genannt wurden. Fasst gleichzeitig holte ich mir eine Vereiterung im linken Knie. Über ein Jahr konnte ich nicht joggen, schwimmen und erst recht nicht auf die Matte. So fand ich endgültig zum Hanteltraining.
Im Gegensatz zu den meisten Hobby-BBlern ging es mir nie darum Masse um jeden Preis aufzubauen, sondern viel mehr darum in der Badehose eine gute Sommerfigur zu machen, so dass mein Körpergewicht immer auf einem relativ normalem Niveau blieb.
Im Sommer 2006 packte mich dann der Ehrgeiz. Ich hatte es satt nur für mich zu trainieren und wollte mich wieder in einem Wettkampf messen. Fürs Ringen waren Koordination und Kondition inzwischen auf ein lächerliches Niveau verkümmert und Bodybuilding war zwar beeindruckend, aber entsprach bei weitem nicht meinen Vorstellungen. Ich wollte nicht in erster Linie massig sein, sondern vor allem Kraft haben. So kam ich über etliche Umwege im Internet zu diversen Seiten mit Informationen über Kraftdreikampf und nahm mir fest vor im darauf folgenden Jahr spätestens im Herbst meinen ersten Wettkampf zu machen. Nicht dass ich gedacht hätte im Jahr 2007 ernsthaft mit der Elite mithalten zu können, aber blamieren wollte ich mich auch nicht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich knapp 76-77kg auf meine 174cm Körpergröße verteilt und lief im Coopertest mehr als 3200Meter, war der weltschlechtestes Bankdrücker und hatte noch nie in meinem Leben Kniebeugen oder Kreuzheben trainiert. Die Ausgangslage entsprach also mehr einem leistungsorientierten Hobbyläufer, als einem Kraftdreikämpfer.
Meine ersten Kniebeugen auf Wettkampftiefe machte ich im Juni 2006 mit 70kg auf meinen Schultern. Zuvor hatte ich seit Beginn des Jahres an der Beinpresse ab und an rumgespielt, aber Kniebeugen und Kreuzheben mied ich wie der Teufel das Weihwasser. Mythen und Märchen um kaputte Rücken, Bandscheibenvorfälle mit Anfang 20 und was nicht alles im Internet an Geschichten rumgeistert, hatten mich bisher vor beiden Grundübungen bewahrt. Hinzu kam, dass ich zu dieser Zeit bis Ende August wegen Arbeit in meiner alten Heimat war und somit zwar 24Stunden in die Ringerhalle konnte, mein Kniebeugeständer allerdings aus sechs Turnhockern bestand, die zu dritt jeweils übereinander gestellt wurden. Die Ausgangslage hätte somit auch deutlich besser sein können.


Beim Kreuzheben sah es nicht viel besser aus: Während ich anfangs nach einigen Monaten Training seit Beginn des Jahres noch mit einer grausamen Technik und Handschlaufen 160kg schaffte, musste ich mein bereits erreichtes Gewicht um 25kg nach unten korrigieren, als ich das erste Mal ohne Zughilfen versuchte das Gewicht anzuheben. Man sollte die Griffkraft nicht unterschätzen.
Das war also meine Ausgangslage zu Beginn des Sommers 2007: ein paar Wiederholungen Kniebeuge mit 70kg auf Wettkampftiefe, Kreuzheben mit 135kg und einer damals noch unglaublich furchtbaren Technik und einer Bankdrückleistung, die jenseits von gut und böse war. Nicht unbedingt das, was man ernsthaft als Kraftdreikampfergebnis bezeichnen könnte und dennoch war mein Wille ohne jegliche Erfahrung von dem Sport nicht gebremst.
Einige Monate später suchte ich über das Internet einen KDK Verein in der Nähe. Über einige Umwege fand ich Kontaktdaten und wollte mich vorerst nur über den eigentlichen Ablauf informieren. Ich schrieb meine aktuellen Leistungen (120kg/100kg/170kg) und ehe ich mich versah, war ich Mitglied in einem Verein, dessen Ort ich überhaupt erst einmal ergoogeln musste, und für die Landesmeisterschaft 2006 im Oktober gemeldet.
Bis dahin konnte ich viel über die Theorie sagen, verstand die Wettkampfregeln vom Papier, aber ich sollte noch lernen, dass ein Wettkampf im echten Leben immer etwas anderes ist als Lesen von theoretischen Texten. Kurz zuvor kaufte ich mir noch einen zum Wettkampf zugelassenen Gürtel und meine ersten Beinbandagen und dann war es auch schon soweit.
Der erste Wettkampf… - Landesmeisterschaften im Kraftdreikampf Die Woche vor dem Wettkampf war alles andere als optimal verlaufen. Während ich zu Beginn der Woche noch krank im Bett lag und an Training nicht zu denken war, musste ich den Tag vor dem Wettkampf bis um fünf arbeiten.
Nach durchgemachter Nacht und zwei Stunden Fahrt von Schwerin nach Waren kamen meine Freundin, die mich begleitete, und ich um halb zehn am Wettkampfort an. Vor Ort waren bereits einige Athleten und ich lernte das Vereinsmitglied, mit dem ich bisher nur email Kontakt hatte, persönlich kennen. Zu meinem Pech hatte die Person allerdings praktisch keine Zeit für mich, da sie als Sprecher für den Wettkampf fungierte, und zur bereits bestehenden Aufregung kam eine ziemliche Verunsicherung hinzu. Kein wirklicher Ansprechpartner. Keine wirkliche Vorstellung vom genauen Ablauf eines Wettkampfes und völlig übermüdet. – Hervorragend..

Ein anderer Verantwortlicher erklärte mir kurz den grundsätzlichen Ablauf, den ich bisher nur aus diversen Internetseiten kannte, und nahm mich auch sofort zum Wiegen mit: 74,7kg zeigte die Waage an. Ich hatte genug gegessen und getrunken vor der Fahrt und war froh, dass ich im Vorfeld bereits mein Gewicht locker hatte.
Nach und nach kamen weitere Sportler und wie ich kurze Zeit später herausbekam, war der einzige andere Starter in meiner Klasse der Typ der bereits die ganze Zeit genauso still wie ich neben mir saß und selbst seinen ersten Wettkampf hatte. Mir fiel ein Stein vom Herzen. – Der zweite Platz war sicher und die Demütigung konnte nicht all zu groß werden.
Nachdem die Jungend ihren kompletten Wettkampf hinter sich gebracht hatte (und ich mir so den Ablauf angucken konnte), ging es gegen halb eins auch endlich für mich los. In zwei Gruppen wurden Junioren, Aktive und Senioren zusammengefasst, so dass der Ablauf ein wenig gestrafft wurde. – Ein Glück, die Müdigkeit und die Tatsache, dass ich zu wenig Essen mitgenommen hatte, nagten ernsthaft an meiner Konzentration.
Doch all das sollte passé gewesen sein, als es für mich zum Aufwärmen ging. In einem kleinen Raum, in dem letztendlich zwei olympische Hanteln parallel genutzt werden konnten, wurde sich vorbereitet. Die Stimmung war freundlich und familiär, wie ich es auch vom Ringen kannte, auch wenn natürlich die Anspannung und Konzentration inzwischen bei jedem stieg.
Meinen ersten Versuch Kniebeuge hatte ich mit 120kg angegeben. Die Tatsache, dass mein direkter Kontrahent allerdings deutlich mehr machen würde, ließ mich die 120kg bereits beim Aufwärmen testen. Sie kamen gut. Schnell korrigierte ich meinen ersten Versuch mit 130kg nach oben.
Und dann war es soweit. Die 130kg kamen vernünftig, die drei Lichter leuchteten und ich brachte meinen ersten gültigen Versuch nicht nur in die Wertung, sondern schaffte so auch meinen ersten offiziellen Versuch bei einem Wettkampf. Ein gutes Zeichen.
Ich ließ mir die 135kg auflegen, schaffte sie auch gut, aber wartete das Zeichen, die Hantel wieder reinlegen zu dürfen, nicht ab. Technischer Fehler. Trotzdem ließ ich mir im dritten Versuch 140kg, was meine persönliche Bestleistung bedeuten würde, auflegen. Der Betreuer meines Konkurrenten bandagierte mir die Beine und ich erstmals was es bedeutet sich die Kniebandagen ernsthaft anzulegen. Die Beine waren gestreckt wir Stöcke, ich ging wie auf zu kurzen Stelzen und die Knie schmerzten.
Ich ging an die Hantel, hob das Gewicht heraus und wartete aufs Signal. Kontrolliert ging ich in die Hocke, um mit aller Kraft nach oben zu gehen. Als ich wieder stand und nach dem Signal das Gewicht in die Ablage legte, wurde auch dieser Versuch nicht anerkannt. Die Kniebeuge war nicht tief genug.
Weiter ging es mit Bankdrücken. Die 100kg im ersten Versuch konnte ich die Woche nicht ausprobieren, zumal ich nicht wusste, ob meine Pause auf der Brust wirklich ausreichend lang wäre. Beim Aufwärmen kamen die 95kg gut, so dass ich doch mit einem guten Gefühl raus ging. Die 100kg kamen, so dass ich mir 105kg auflegen ließ. Doch beim zweiten wie dritten Versuch hatte ich das gleiche Problem: Unten kam das Gewicht gut raus, was sonst eigentlich meine Schwäche war, aber nach oben fehlte die Kraft. Das wenige Essen und die Übermüdung nagten an der Kraft.
Nun ging es zur dritten Disziplin: Kreuzheben. Vom Adrenalin und dem guten Gefühl beflügelt, wärmte ich mich bis 165kg auf. Mein erster Versuch mit 175kg kam leicht und gut. Mein Konkurrent schaffte das selbe Gewicht direkt nach mir, so dass ich die 180kg auflegen ließ.
Auch diese kamen gut, wie auch bei meinem Gegner, so dass ich einfach etwas riskieren wollte. Ich ließ 190kg auflegen, die ich zuvor noch nie gezogen hatte, was die Anspannung ins Unermessliche steigen ließ. Nicht, dass ich noch eine Chance auf den Sieg gehabt hätte, aber ich wollte wenigstens in einer Disziplin nicht schlechter als mein direkter Gegner sein.
Ich ging an die Hantel, zog mit aller Kraft (und fast gestreckten Beinen – eine grottenschlechte Technik, die ich niemandem empfehlen möchte) das Gewicht nach oben. Schultern nach hinten und beim Abwarten aufs Ablege-Kommando wusste ich schon "Das ist es!". Kontrolliert bewegte ich die Hantel runter und drehte mich um: DREI GELBE LAMPEN! Das war’s, die 190kg waren mein.
So wurde ich mit einem Gesamt von 420kg bei meinem ersten Wettkampf Zweiter. Das Gesamtgewicht war mehr als ausbaufähig und die Vorbereitung war in jeder Hinsicht aus heutiger Sicht grauenhaft gewesen, aber was für mich zählte, war die erste Erfahrung im Wettkampf, die mich hungrig auf mehr machte.
Und einen Monat später sollte es bereits weiter gehen: Die Norddeutschen Meisterschaften standen vor der Tür.
Mein erster Beugeanzug Ich war bereits das erste Jahr im Aktiven-Alter, so dass der Abstand zu normalen Leistungen für mich überdimensional erschien. Um zumindest annähernd den Abstand zu verkürzen, kaufte ich mir meinen ersten Kniebeugeanzug, der zwei Wochen vor den Norddeutschen ankam. Doch so groß die Vorfreude auch war, so groß war auch der Schreck, als ich den Anzug Probe angezogen hatte. Drei bis fünf Zentimeter hatte ich Platz an den Schultern. Ich hätte ihn also umnähen müssen, was wieder Zeit gekostet hätte.

Nichts desto trotz nahm ich den Anzug mit zum Training. Ich wärmte mich ganz normal auf und machte die 135kg mit festen Bandagen und Gürtel. Doch dann ging der richtige Kampf erst los. Dank dem Pump war es noch extrem schwerer in den eh schon engen Anzug zu gleiten. Irgendwie packte ich es nach einer halben Ewigkeit die Beine in den Anzug zu bekommen und siehe da, an den Oberschenkeln war er noch einen tick enger und an den Schultern war nicht einmal 1cm übrig geblieben. Das Ding saß super, dachte ich zu diesem Zeitpunkt zumindest, und die Blicke im McFit waren mir von allen Seiten sicher.
Ich hatte mir zur Sicherheit zwei Trainierende rechts und links an die Hantel gebeten. Alleine traute ich mich dann auch nicht und beugte als erstes die 140kg – oder versuchte es zumindest. Es war unglaublich schwer überhaupt tief genug runter zu kommen, soviel Spannung war da, aber das Beste war wohl das Gefühl beim Beugen: Ich brauchte mich praktisch gar nicht mehr auf den Rücken zu konzentrieren, sondern ganz allein darauf, dass die Beine arbeiteten. Wer noch nie einen Beugeanzug anhatte, wird das Gefühl nur schwer nachvollziehen können.
Bei den 145kg fiel ich dann fast nach vorne. Ich hatte das Gefühl einen Kopfsprung ins Wasser zu machen, nur extrem langsam. Zum Glück hatte ich vorsorglich zwei Leute jeweils an den Hantelseiten positioniert, wobei beide eine gefühlte Ewigkeit brauchten, bevor sie reagierten. Im letzten Satz versuchte ich die 150kg, wobei ich noch Luft spürte, es jedoch fürs erste dabei belassen wollte.
Der zweite Wettkampf… - Die Norddeutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf Die Vorbereitung für den zweiten Wettkampf war wie schon bei den Landesmeisterschaften nicht ganz optimal. Zwar konnte ich diesmal ausschlafen und musste nicht völlig übermüdet zum Wettkampf fahren, doch dafür hatte ich mir eine Woche zuvor eine Entzündung im rechten unteren Rippenbereich eingefangen. Zwischenzeitlich konnte ich kaum sitzen und tief atmen, so dass ich Anfangs sogar an eine gebrochene Rippe gedachte hatte und seit meiner Odysse mit meinem Knie erstmals wieder einen Sportarzt aufsuchte. – Die Woche war also nicht nur geprägt von Schmerzen sondern auch von der Angst, ob mein Gewicht in Ordnung sein würde.

In aller Ruhe fuhren wir, also ich und meine Freundin, etwas früher zum Wettkampfort, der von dem Verein ausgerichtet wurde, für den ich startete.
Als einer der ersten kamen wir in der Halle an. Überall hingen Urkunden und Zeitungsausschnitte der Athleten des Vereins. Vom Ringen kannte ich Orte in denen es Ringen, Fußball und Pilze sammeln als Freizeitaktivitäten gab. Hier schien Ringen durch Kraftdreikampf ersetzt zu sein. Ich war auf jeden Fall beeindruckt und das Ambiente war deutlich besser als bei den LM, was vielleicht auch daran lag, dass diesmal sogar Zuschauer vor Ort waren und die Halle gut gefüllt war.
In meiner Gewichtsklasse sollten laut Plan drei Mann starten. Mich eingerechnet. Ein Hamburger, der mit seinen Anfangsgewichten in etwa da lag, wo meine maximalen Werte anzusiedeln waren und mein Kontrahent, der bei den LM vor mir erster wurde. Doch wie sich herausstellte, hatte dieser kein Gewicht (75,3kg zuletzt) und der Hamburger startete von Anfang an in der 82,5er Klasse, so dass ich auf jeden Fall bei einer Norddeutschen Meisterschaft erster von eins war. Mit elfenhaften 74,1kg.
Doch dies änderte nichts an meinem Ansporn, mir selber etwas zu beweisen und vor allem mein größenwahnsinniges Vorhaben durchzusetzen: Ich wollte nach wenigen Monaten KDK-Training bei der ersten Deutschen Meisterschaft im Kreuzheben im Dezember starten.
Beim Aufwärmen fühlte sich die Seite noch einigermaßen gut an. Die verschriebenen Schmerzmittel wirkten fürs erste, so dass ich wie geplant mit 140kg im ersten Versuch in der Kniebeuge startete. Zu meinem Glück erbarmte sich diesmal ein Sportler eines anderes Vereins mich zu betreuen (wohlgemerkt, der Wettkampf fand bei dem Verein statt, für den ich startete), so dass ich von ihm beim Beugen Kommando bekam, wann ich tief genug war. Vermutlich wäre der erste Versuch sonst ungültig geworden, denn es fehlte nicht an der Kraft, sondern am Gefühl für Bandagen und Anzug wann ich tief genug wäre. Die 140kg gelangen leicht, so dass ich 150kg (gültig) und zuletzt 160kg im dritten Versuch auflegen ließ. Eigentlich fühlte ich mich fit genug für deutlich mehr, aber mein Betreuer für diesen Tag meinte, ich solle es nicht übertreiben und meldete für mich 160kg am Schiedsrichtertisch. Auch diese gelangen leicht, so dass ich mit drei gültigen Versuchen ins Bankdrücken ging.
Das Aufwärmen lief diesmal nicht ganz optimal. Die Pausen waren ewig lang durch die parallel startende Gruppe und die Seite schmerzte inzwischen, so dass ich nicht mit Brücke drücken konnte. Trotzdem ließ ich mir wie schon bei den LM 100kg auflegen. Sie kamen gut beim ersten Versuch, aber ich hatte das Kommando zum Drücken nicht abgewartet. Im Zweiten vermied ich den technischen Fehler und brachte 100kg gültig ein, doch im dritten Versuch reichte die Kraft erneut nicht für die 105 kg.
Als letzte Disziplin stand Kreuzheben an. Ich nahm noch eine Schmerztablette und überlegte ernsthaft nur 100kg als gültigen Versuch einzubringen und es dabei zu belassen. Zeitweise konnte ich kaum atmen, so sehr schien die Seite in den Körper zu drücken.
Bis 170kg wärmte ich mich ohne Gürtel auf, da dieser das Gefühl noch mehr verstärkte. Die 180kg zog ich noch einmal mit und entschloss mich die 200kg, die ich als ersten Versuch angegeben hatte, zu nehmen. Der Ehrgeiz war einfach zu groß.
Diese kamen ohne Probleme, also nahm ich mir die 210kg vor, die zwei Wochen zuvor beim Training bereits gut gingen. – Sie kamen. Ich stand vor der Wahl. 215kg, an denen ich nur knapp beim Training scheiterte, oder 220kg. Alles oder nichts? ALLES!
Ich ließ 220kg auflegen und mein Betreuer stimmte mich auf das Gewicht ein. Ich war voll konzentriert und lieferte mir den härtesten Kampf den ich bisher mit dem Eisen hatte. Beim Training hätte ich das Gewicht vermutlich sacken lassen, keine Frage, aber ich wollte es wissen, mir die 220kg dieses Jahr selber schenken und sie kamen. 2:1 gültig in die Wertung eingebracht. Ich war überglücklich!
So wurde ich mit 480kg Norddeutscher Meister der 75er Gewichtsklasse. Sicherlich immer noch ein lächerliches Gesamt, aber 60kg mehr als noch vor vier Wochen bei den Landesmeisterschaften und beim nächsten Wettkampf sollte die 500er Marke geknackt werden.
Ich hoffte in vier Wochen bei den Deutschen das Gewicht bestätigen zu können. Vielleicht noch etwas mehr rauszukitzeln. Aber viel wichtiger war mein Ziel für das darauffolgende Jahr: 235kg betrug der Norddeutsche Rekord im KH in der 75er Klasse, welche ich ein Jahr später knacken wollte.
Der dritte Wettkampf… - Die Deutschen Meisterschaften im Kreuzheben Der Tag begann mal wieder etwas hektisch. Da ich donnerstags noch in Schwerin zu tun hatte, fuhr ich Freitag mittags von Schwerin nach Rostock, weil ich noch Vorlesungen und Arbeit an dem Tag vor mir hatte. Von dort aus fuhr ich direkt um 21Uhr nach Neubrandenburg mit dem Zug, wo um 23Uhr meine Betreuerin wartete und wir gemeinsam mit ihrem Auto in Richtung Randersacker fuhren. Die Autobahnen waren relativ leer und wir kamen trotz Regen gut vorwärts, so dass wir mit einer kleinen Pause (und einem kleinen Verfahrer) um etwa 6Uhr morgens in Randersacker ankamen.
Theoretisch wäre bis 16.15Uhr noch jede Menge Zeit bis zum Wiegen gewesen, aber ich fand kaum Schlaf im Auto und nach ewigem hin und her wälzen stand ich etwa gegen 12Uhr auf und gab das Schlafen auf.
Die Halle war sehr modern. Die Versuche fanden auf einer großen Tribüne statt, links davon der Sprechertisch, darunter der Kampfrichtertisch und davor jede Menge Tische und Stühle. – Die Halle war bis auf den letzten Stuhl besetzt und auch die ein oder andere KDK-Prominenz, die ich erkannte, war anwesend. Alles in allem wirkte es wie ein vorbildlich organisierter Wettkampf und auch der stramme Zeitplan wurde vorbildlich von den Verantwortlichen durchgezogen.

Die Zeit bis 16.15Uhr schien kaum zu vergehen und als das Wiegen dann endlich los ging, stand schon eine ziemlich lange Schlange an, so dass ich 16.45 endlich raus war und Trinken und noch mal etwas mehr Essen konnte.
Mit elfenhaften 73,2kg machte ich mich eine halbe Stunde vor Wettkampfbeginn auf in den Aufwärmbereich. Es gab vier olympische Stangen und jede Menge Eisen, so dass auf jede Stange etwa 4 Athleten pro Gruppe kamen, die auf Grund ähnlichem Körpergewichts auch nicht wirklich beim Aufwärmen auf den Füßen standen.
Bis 180kg wärmte ich mich ohne Anzug auf und merkte bereits, dass ich ziemlich unkonzentriert war. Der Tag hatte an meinen Nerven gezerrt und ich fühlte mich nicht sehr fitt. – Zehn Minuten vor Beginn versuchte ich noch einen 200er mit Anzug (hatte 205kg für den ersten Versuch angegeben), was zwar taktisch nicht gerade clever war, aber meinem Befinden entsprechend gut tat.
Der Anzug saß deutlich schlechter als bei den NDM, sodass ich das Gefühl hatte genauso gut ohne ziehen zu können.
Dann ging es los:
Mein erstes Gewicht waren 205kg. Sie kamen, wenn auch, wie ich zugeben muss, nicht sehr gut. Ich war immer noch mit den Gedanken nicht voll dabei und fühlte mich schlapp. Trotzdem ließ ich 215kg auflegen. Da der nächste Starter in meiner Gruppe 230kg im zweiten Versuch machte (und ich davon selbst in Topform noch entfernt war) machten für mich 210kg oder 215kg keinen Unterschied. Ich wollte sie lediglich für mich ziehen.
Ich brachte die Hantel nach oben, allerdings hatte ich mit den Oberschenkeln nachgeschoben, was ich in dem Augenblick nicht bemerkte und bekam den Versuch 0:3 ungültig. Ich war gefrustet und der letzte Versuch lief nicht viel besser. Besonders darauf achtend, die Oberschenkel bloß nicht als Unterstützung einzusetzen, fehlte mir die Konzentration für das Gewicht und ich zog nicht den vollen Bewegungsablauf. – Ungültig.
Ich ging sofort duschen, weil wir sofort im Anschluss fahren wollten. Schnell noch das Startbuch abgeholt und los gefahren, da ich selbst am nächsten Tag auch wieder arbeiten musste.
Alles in allem war ich nicht enttäuscht, aber auch nicht zufrieden mit meinem Gewicht. – Was für mich aber letztendlich zählte, war die Tatsache, dass ich meine ersten Deutschen nach nur wenigen Monaten KDK Training als Erfahrung gesehen hatte. Nächstes Jahr würde ich einige Fehler zu vermeiden wissen und ausgeruhter und mit einem engeren Anzug die Lücke zum Mittelfeld hoffentlich schließen. Dies war auf jeden Fall mein Ziel für 2007.
Der vierte Wettkampf… - Und wie alles weiterging Ende 2007 fuhr ich zu meinem vierten Wettkampf - der offenen Berliner Meisterschaft im Kreuzheben. Mit gültigen 210kg im zweiten Versuch, knapp gescheiterten 222,5kg im dritten und einem ersten Platz beendete ich mein erstes Wettkampfjahr und was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht plante, auch mein vorerst letztes.
Die Kommunikation mit dem Verein lief mäßig. Auf meinen ersten drei Wettkämpfen wurde ich entweder alleine gelassen oder von Fremden, die sich erbarmten, betreut. Dass es anders laufen kann, kannte ich nicht nur vom Ringen, sondern merkte ich auch in Berlin, wo nicht nur eine super Stimmung vor Ort war, sondern die Sportler auch ein familiäres Gefühl vermittelten. – Wer mehr dazu lesen will, findet dazu auch hier einen Erfahrungsbericht.
Anfang 2008 fanden die Landesmeisterschaften im Bankdrücken statt, zu denen ich wieder fuhr. Inzwischen wurde ich bei McFit rausgeschmissen, weil ich mit meinem Equipment und dem manchmal etwas lautem Training für Unmut beim Studio-Chef gesorgt hatte, so dass ich mir eine neue Trainingsmöglichkeit gesucht hatte.
Wie auch bereits bei den anderen Wettkämpfen konnte mich der Vereinsvorsitzende, den ich bisher nur von Wettkämpfen kannte, nicht zuordnen. Klar, war ich nicht der Leistungsathlet, der alle Rekorde nach wenigen Monaten in den Boden stampfte (auch wenn ich inzwischen bereits über 200kg wiederholt im Training wettkampfgültig beugte und auch das Bankdrücken langsam besser wurde), aber verdammt, ich wollte bei Wettkämpfen starten und wenn es diesem Sport an einem offensichtlich fehlte, dann an Sportlern, die sich dem Wettkampf stellen.
Leider hatte der Vereinsvorsitzende eine andere Einstellung als ich. Nach einiger Diskussion, warum ich überhaupt plötzlich hier starten würde, wollte er mir nach dem Wettkampf mein Startbuch, das ich bis dahin behielt, nicht rausgeben. Nach den Worten "Das ist mein Verein, mein Startbuch und ich entscheide wer startet." dachte ich nur, dass er dann auch gerne seinen Verein und sein Startbuch behalten könnte. Ich wollte nicht betteln zu Wettkämpfen zu dürfen, der einzige Grund, dass ich in diesem Verein war, war, dass ich mich verdammt noch mal auf Wettkämpfen messen wollte.
Ich nahm meine Sachen und fuhr nach Hause.
Der Rückblick.. Das Ganze ist nun knapp 1,5 Jahre her und der ein oder andere wird sich vielleicht fragen, warum dieser dünne Bastard, der nicht mal 300kg beugen oder 200kg drücken kann, diesen Artikel nach all der Zeit schrieb.
Nun die Antwort ist ganz einfach. In den weiten des Internets ist immer wieder von Leuten zu lesen, die überlegen irgendwann mal irgendwo an einem Wettkampf teilzunehmen – oder auch nicht. Anstatt immer davon zu reden, sollten diese Leute da draußen mal lieber die Eier in der Hose haben und sich dem Wettkampf stellen. Klar, wird nicht jeder von uns erster. Nicht jeder kann der neue Markus Schick oder der nächste Andi "Dr. Bein" Dörner werden. – Aber wenn wir mit dieser Einstellung an die Sache rangehen würden, könnten wir alle gleich beim Murmeln bleiben.
Wenn man trainiert und dran bleibt werden die Erfolge auch kontinuierlich kommen. Wir werden nicht alle gemeinsam zur WM fahren, aber könnten uns auf den nationalen Wettkämpfen harte Kämpfe leisten.

Ich selbst hatte viel Spaß in diesen Monaten und viel fürs Training und den Ablauf gelernt und ausprobieren dürfen.
Ich war eben nur ein dünner Bastard, der Wettkämpfe bestreiten und sich jedes mal verbessern wollte.
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Geschrieben/gepostet am 02.06.2008 von Frank-Holger Acker
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